Chavela Vargas

Sie war eine grosse Stimme der spanischsprachigen Welt, ihr Gesang akustischer Ausdruck weiblicher Stärke: Musikerin Isabel Vargas Lizano, 1919 in Costa Rica geboren, seit ihrer Jugend in Mexiko zu Hause. Ihre Karriere begann sie als Strassenmusikerin in Mexiko-City, wo sie sich den Namen Chavela Vargas zulegte — als Antwort auf die ungezügelte Homophonie und Misogynie der 1950-er Jahre. Feminine Kleidung sagte ihr nichts, sie trug Männerkleidung und Pistole, oft einen Poncho. Rauchte Zigarre und trank. Gerne Tequila. Vor allem aber sang sie traditionelle Ranchera-Lieder. Kerning, mit einer Stimme wie rostige Seide.
Lesbisch nannte sie sich selbst erst im Herbst ihres Lebens. Sie mochte die Etikettierung der Sexualität nicht, sagte sie einmal. Darum habe sie so lange gewartet. Dass sie nur Frauen liebt, habe sie aber seit Kindheit gewusst. Man sagt, sie habe Ava Gardner verführt und nicht wenige Ehefrauen von Politikern.
Zwar war sie mit vielen mexikanischen Kultur-Grössen befreundet, etwa mit Frida Kahlo, Diego Rivera oder dem Schriftsteller Carlos Monsivais, ihre Karriere aber wurde beinahe zum Opfer ihres Alkoholismus. In den 70-er Jahren kam der Punkt, an dem niemand sie mehr für Auftritte buchen wollte; zu unsicher war, ob sie nüchtern genug auftauchen würde, um aufzutreten. Während rund 20 Jahren spielte sie keine einzige Show. 1990 dann gab ein Auftritt in Werner Herzogs Film “Schrei aus Stein” ihrem Leben eine Wende. Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar war so beeindruckt von ihrer Stimme und Person, dass er sie für die Soundtracks zu zwei seiner Filme (“Tacones lejanos” und “La flor de mi secreto”) engagierte.
2002 gab sie ihr erstes Konzert in der New Yorker Carnegie Hall. Bis zum Ende ihres Lebens hat Vargas über 80 Alben aufgenommen, zuletzt La Luna Grande.

Am 5. August 2012 ist Chavela Vargas in Cuernavaca verstorben.