Adieu Leonard Cohen 

Aus unserer Ausgabe vom 11. November 2016.
Jetzt weinen sie wieder, die Tauben. Und sie sind nicht allein. Leonard Cohen lebt nicht mehr. Es ist, als wäre ein Freund gestorben. Jemand, der einfach immer da war. Besonders in schweren Zeiten vermochten seine Stimme und seine Musik Trost zu spenden.

Schauen wir uns ein paar Episoden seines Lebens an. 

Leonard Cohen, 1934-2016

So long, Marianne 
Marianne Ihlen, Partnerin, Muse — der Song So Long, Marianne von Cohens 1967-er Debutalbum "Songs Of Leonard Cohen" handelt von ihr und sie hat ihn zum Lied Bird On The Wire inspiriert, das auf dem 1969-er Album "Songs From A Room" erschien, auf dem sie die Rückseite des Album-Covers ziert — und lebenslange Freundin, ist im Sommer 2016 im Alter von 81 Jahren verstorben. In einem Brief an seine sterbende Wegbegleiterin schrieb Cohen kurz vor ihrem Tod: "Our bodies are falling apart and I think I will follow you very soon."
"You Want It Darker", sein eben erst erschienenes letztes Album, kann man als Abschieds-Zeremonie hören. Aber Cohen hat sich schon früher mit dem zunehmenden Alter und dem Tod auseinandergesetzt, etwa in dieser Anmoderatiooder im Song Going Home.

Hier erinnert sich Cohen an seine Zeit auf der griechischen Insel Hydra, wo er Marianne Ihlen begegnet ist und unter anderen an den beiden erwähnten Alben gearbeitet hat.
Influencer
Ich bin mit Cohen aufgewachsen, er war einer der Lieblingskünstler meiner Mutter und der weltläufige Gegenpol zu den Schlagern, die mein Vater gerne hörte — ein früher, ein prägender musikalischer Einfluss. 
Ein Einfluss, der dazu führte, dass meine Musiksammlung, nachdem ich mich heute Morgen von Cohens Werk lösen musste, mir zum Kaffee diese vier Songs zusammenmischte:
Wayes Blood - Cardamom
Paul McCartney - Bring It On Home To Me
Mazzy Star - Into Dust
Townes van Zandt - Flying' Shoes

Danke!
Hallelujah
Einer von Cohens bekanntesten Songs ist zweifellos "Hallelujah". Erstmals 1984 erschienen, auf dem Album "Various Positions", heisst es, der Song sei ein Kraftakt für ihn gewesen — er hätte mehrere Jahre daran gearbeitet, dutzende Varianten davon verfasst, bevor die Version, wie wir sie kennen, veröffentlicht wurde. Von allen Künstlerinnen und Künstlern, die sich dem Song seither angenommen haben, gefallen uns die Covers dieser fünf am besten: 

Jeff Buckley   
John Cale   
k. d. lang   
Allison Crowe   
Rufus Wainwright 

Von Rufus Wainwright gibt es auch eine wunderbare Version von Cohens Chelsea Hotel.

Hier die beiden Songs im Original:
Covers
Ab und zu hat sich Cohen Werken anderer angenommen, z. Bsp. 
Sound Of Silence von Paul Simon, bzw. Simon & Garfunkel oder dem deutschen Protestsong Die Gedanken sind frei.

PS:
Rufus Wainwright hat eine besondere Beziehung zu Leonard Cohen (und zu seiner Tochter Lorca, mit der er eine Tochter hat, der er zusammen mit Lorca und seinem Partner Jorn Weisbrot Elternteil ist). Hier beschreibt er, wie er ihn das erste Mal trifft und Cohen erzählt, wie er zum Anzugsträger wurde, bevor Rufus in seiner unvergleichlichen Art Cohens "Everybody Knows" interpretiert.